schon wieder eine woche rum

er hat nicht geschrieben. sie hat nicht geschrieben. no short message service. no android ping. es gibt nur noch das gerüst. seine blicke, ihre blicke und ein paar duftstoffe in der luft. paarungstänze gehören zum alltag zwischen 15 und 45 auf jeden, weit darüber hinaus im idealen fall. warum auch nicht. bindung ist das einzige, letzte, unkäufliche. das geht nur über gemeinsam. frühstücken, zwinkern, haut im mund. damit sind die magazine voll. schon aufgefallen. keiner wird froh ohne die danaer: geschenkte furcht vor zu viel nähe. doch einsam // trotzdem // will keiner sterben. wir sind, was wir geben. wir sind, was wir nehmen. fett und zucker und H2O.

anbr // L-D-EU-W // 2012

Kulturkontakt – Anzeige eines gescheiterten Versuchs

„Wir kommen, um euch zu …“
– „… vernichten!“, dachte der Erzgebirgler mit der Schrotflinte im Anschlag, als er schoß und den zerkauten Priem auf die sumpfige Wiese spukte.
– „… helfen!“, wollte der grünhäutige Außerirdische mit den Tentakeln sagen, als er auf die Landebrücke seiner fliegenden Untertasse getreten war und von der Schrotladung getroffen wurde wie eine Ente im Flug oder ein Hase im Sprung.

sri

Spielfeld: Papier oder Rasen?

Einige kurze Anmerkungen zum Verhältnis von Fußball und Literatur*

Mit einer naserümpfender Geste ließe sich an diesem Abend leicht behaupten: unsere Lesung ist eine Gegenveranstaltung zu jenem Spekakel in Lemberg/Lwiw.

Aber statt dessen sei mir gestattet, eingangs einmal die Frage zu stellen, wie sich Fußball und Literatur zueinander verhalten – und zwar über Peter Handkes Erzählung von der Angst des Tormanns beim Elfmeter hinaus und hinaus auch über jene Begegnung von Autoren-Fußballmannschaften, wie sie im Vorfeld jedes großen internationalen Turniers seit einigen Jahren abgehalten werden und bei dem auf deutscher Seite dieser Tage etwa Moritz Rinke sein Glück als stürmender Dramatiker versuchte.

Ein Gedicht hat manchmal 90 Zeilen und manchmal dauert es nur 90 Sekunden, einen Roman zu lesen, braucht es mitunter 90 Tage, selbst wenn sein Umfang nur 90 Seiten ausmacht. Aber nach der Lektüre, zumindest wenn sie glückt, ist es nicht mehr so wie vor der Lektüre, denn jede Lektüre, ob wir es bemerken oder nicht, verändert uns – und sei es nur insofern, als wir etwas anderes getan hätten, wenn wir jenen Text nicht gelesen hätten – und folglich ohne die Lektüre etwas anders verändert wären als mit der Lektüre. Das ist der eine Unterschied zum Fußball – auch wenn freilich so subtil betrachtet selbst für das langweiligste und unbedeutendste Fußballspiel jene alte Weisheit nicht gelten kann und andererseits nach der Lektüre immer vor der nächsten Lektüre ist, selbst wenn es sich um dasselbe Gedicht oder denselben Roman handelt.

Manchmal gewinnt der Autor, nicht nur, wenn wir sein Buch kaufen und es trotzdem nicht lesen, sondern vor allem, wenn er es mit seinem Text schafft, dass er uns seine Sicht auf die Welt vermittelt, so dass wir auf eine Weise neu über die Welt, uns selbst und unser Verhältnis zur Welt nachzudenken beginnen, auf die wir so nie gekommen wären ohne den Text, den wir gelesen haben, und dessen Autor. Aber wenn der Autor gewinnt, ist das keine Niederlage für uns – sondern im Gegenteil auch unser Gewinn. Manchmal indes tragen auch wir den Sieg davon – und zwar nicht allein, wenn wir das Buch des Autors lesen, aber es nicht kaufen, sondern vor allem, wenn wir bei der Lektüre eine Gegenmeinung zu den Perspektiven entwickeln, die im Text verhandelt werden, wenn wir uns im Gegensatz zum Text und seinem Autor in unseren eigenen Auffassungen bestätigt und bekräftigt fühlen. Aber auch dann hat der Autor gewonnen, weil wir ohne ihn und seinen Text nie zu unserer anderen, abweichenden Meinung gelangt wären oder uns darin bestärkt sähen. Das ist der andere Unterschied zwischen Literatur und Fußball: wenn sich Leser und Autor begegnen und einer gewinnt, gewinnt der andere auch immer. Egal, ob wir durch den Text zu neuen Perspektiven gelangen oder alte Überlegungen bestätigt sehen, in jedem Fall gewinnen wir Ermutigung, von der wir nicht genug bekommen können in unserem Alltag, der zwar wohl nicht immer und in jedem Fall von Niedergeschlagenheit geprägt ist, aber uns doch häufig genug zügelt, hemmt und lähmt.

Das Unentschieden ist schließlich der dritte Unterschied zwischen Literatur und Fußball, bei dem man trotzdem einen Punkt bekommt, wenn man unentschieden spielt, und sich so fast in die nächste Runde schleichen kann. Nicht so in der Literatur: wenn sich Autor und Leser im Text begegnen – und sich nicht nur nichts zu sagen haben, sondern sich nicht einmal verstehen, so dass der Leser den Text zur Seite legt, ehe er ihn zu Ende gelesen hat; wenn also in der Literatur keiner gewinnt, verlieren alle und es gibt nicht einmal einen Punkt, sondern es sollte vielmehr drei Minuspunkte für jeden geben.

So bleibt zu hoffen, dass an diesem Abend alle gewinnen – zumindest hier im goldenen Westen Leipzigs.

sri

*Bei diesem Text handelt es sich um die Einleitung zur Lesung der Autor_innengemeinschaft „les fabules“, die am 9. Juni 2012 ab ca. 20 Uhr stattfand – parallel zum ersten Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der Gruppenphase der Europameisterschaft, das in Lemberg/Lwiw gegen Portugal ausgetragen wurde. Der für einen mündlichen Vortrag gedachte Charakter des Textes wurde weitgehend beibehalten.

vers * satz * stücke

les fabules machen’s bunt!
Am Samstag, den 9. Juni 2012 um 20 Uhr im Kaffee Schwarz.
Zu finden auf der Georg-Schwarz-Straße, dem ehemaligen Broadway im goldigen Leipziger Westen.

Es fabulieren: Angelika Brünecke, Marie Goldt, Sebastian E. Richter, Andra Schwarz und Mathias Günther Zeiske.

Wir freuen uns über erlesene LauscherInnen!
Herzlichst,

les fabules

Holzschnitthafter Prolog zur Soziologie der Wochentage oder Siebenteiliges Sittengemälde in Schwammtechnik

Der Montag ist der Beginn, nein, der Sonntag ist der Beginn der Woche. Einer jeden neuen Woche. Einer jeden „einigermaßen erträglichen neuen Woche“, so wie es kurz vor dem Segen gewünscht wird, mit Augenzwinkern, klar doch. Man sollte Katholik sein, um in diesen Genuss  zu kommen, Protestant geht auch. Andere Religionen, andere Tage, andere Sitten. Der Sonntag beginnt eigentlich bereits am Samstag 18 Uhr mit der Vorabendmesse und damit beginnt auch die Woche, denn so gesehen ist der Samstag der kleine Sonntag. Der Sonntag allerdings auch der kleine Montag. Das Frei des Vormittags und Nachmittags wird nicht selten überrollt durch das abendliche Aufbrechen in andere Leben, Gedanken, Welten, Bahnhöfe, Rucksäcke, Züge, Autobahnen, Taschen, Tickets, Mitfahrer, Hausaufgaben, Vorbereitungen – wohl dem, der jetzt noch Arbeit hat.

Montag geht es etwas richtig los, langsamer, leicht beschwerlich. Montag ist also nicht der Sonntag der Arbeit als der Tag eines Beginns, sondern eher der Samstag der Arbeit, weil ja der Samstag der kleine Sonntag ist. Dienstag, das ist dann der Sonntag der Arbeit, da geht es richtig los. Mittwoch, Mitte der Woche, der beste Name unter den Wochentagen. Da muss nicht die Sonne scheinen, es muss nicht donnern, es wird nicht frei versprochen, obwohl niemand frei hat und man muss auch nicht dienen oder sich immer wieder zwischen Mohn und Mond entscheiden, weil offensichtlich ein Buchstabe fehlt. Der Mittwoch ist auch schon mal der kleine Donnerstag. Das erklärt sich, wenn man weiß, dass der Donnerstag der kleine Freitag ist, zumindest um deutsche Universitäten und dabei unabhängig von Intellekt. Der Freitag ist ein Kipptag, so wie der Sonntag. Nur kippt der Sonntag bedeutend später, der Freitag bereits ab Mittag. Dann ist die Woche vorbei, schon Wochenende. Ist der Freitag von mir aus der kleine Samstag. Nur fragt keiner, was sich zwischen Wochenende und Wochenanfang befindet und wie lange die Woche endet.

Sonntagskindern folgen Montagskindern. Dienstagskinder, Mittwochskinder, würde sich keiner ans Revers heften. Dienstagkinder und Mittwochskinder sind dann also eher Montagsproduktionen. Dazu kann man auch Katholik sein oder?

Mathias Günther Zeiske

Kontaktanzeige

Unbehagen bereiteten sie ihm, wie sie am Tresen standen, ihr Bier in der Hand. Angst würde er es nicht unbedingt nennen, sein Unbehagen, das sie ihm bereiteten, Angst wollte er es unbedingt nicht nennen. Er wusste, leicht konnte er sich in einen Vergleich und eine fiktive Konfrontation mit ihnen hineinsteigern, so dass sein Unbehagen in eine manifeste Angst umschlagen würde. Angst war in dieser Stunde das wenigste, das allerwenigste, was er brauchte. Schon das Unbehagen versetzte ihn in einen angespannten Zustand, der die Begegnung schwerer machte, als sie ohnehin schon war, ja sie noch leichter scheitern lassen mochte. Wie sie am Tresen standen in ihrer muskulösen Maskulinität, wirkten sie auf ihn wie eine selbstbewusste Kontaktanzeige. Jeder von den dreien hatte sicherlich seine Mandy, Nancy, Sandy daheim – und wenn nicht, war es eine ihrer geringsten Übungen, eine Mandy, Nancy, Sandy auf sich aufmerksam zu machen. Er hatte Doreen einen Brief geschrieben, weil Briefeschreiben die einzige Möglichkeit für ihn war, einer Frau seine Begeisterung für sie zu vermitteln. Sie hatte geantwortet und ihm vorgeschlagen, sich hier zu treffen. Sein Unbehagen wuchs, je näher der Zeitpunkt rückte, an dem sie durch die Tür treten musste. (…)

sri

Montagskinder (1)

Montagskinder

Und plötzlich schlüpfts warm unter den dreistreifigen Arm einer Sportjacke. Paul, Fritz, Johannes, und wie sie alle heißen, stehen am Tresen. Sie haben Schaum auf den Oberlippen und stützen ihre Ellenbogen, biegen ihre Schulterblätter, berühren sich an ihren angefreundeten Oberarmen, sind atemlos, alle. Spalierstehende Adamsäpfel in ungleichmäßiger Reihe. Paul glänzt auf der Stirn, Johannes läuft Bier über, der eine, dessen Namen hier schon wieder keiner kennt, schlägt die Nägel der Rechten in die Handfläche der Linken, und plötzlich, gemeinsames Ausatmen –

Abstieg? Abstieg.

mk

Go West

Liebe Ohrenfreunde,

les fabules sind neu und gut aufgelegt zu erleben am 17.März 2012 um 17.30 Uhr im Wächterhaus der Georg-Schwarz-Straße 70 im Rahmen von leipzig.liest.im.leipziger.westen

Diesmal mit O-Tönen von Angelika Brünecke, Sebastian E. Richter, Andra Schwarz und Mathias Günther Zeiske.

Wir freuen uns über erlesene LauscherInnen!

Herzlichst,

les fabules

Programm:

15.00 Lesung Norbert Lang „Zauberhaftes New York“
16.30 Konzert von Salon de Bastardes
17.30 Lesung mit les fabules
19.30 Karma Gold (acoustic) + klassische Texte
Ab 14.00 sind Haus und Ateliers im 1.und 2.OG für Besucher geöffnet:

Galerie Artescena: Ausstellung zur Lesung( Helena Garcia Moreno)
Owear: Schneiderei + Kreativwerkstatt (Erik Irmert)
Kunstkombinat: Kunsthandwerk (Frank Schärtzel)
Features,Hörspiel (Nathalie Putsche)
Fotografien (Theresa Serafin)
Modeatelier laruël /Diplomkollektion Großstadt-Nomaden/ 2010 (Stefanie Rüllich)

Adventslesung: erlegte texte. neu aufgelegt. mit tieren.

Liebe Augen- und Ohrenfreunde der Wortkunst!

Wir feiern unser literarisches Debüt am 3. Advent um 20 Uhr im größten Wohnzimmer des Leipziger Westens dem Kaffee Schwarz!

Es lesen:  Angelika Brünecke, Kathrin Franke, Marie Goldt, Mörtschn Kabowsky, Sebastian E. Richter, Andra Schwarz und Mathias Günther Zeiske.

Wir freuen uns über erlesene LauscherInnen!

Herzlichst,

les fabules

Kaffee Schwarz www.kaffee-schwarz-leipzig.blogspot.com